Pecan sticky toffee pudding mit Pekanuss-Grapefruit-Eis – Homage an zwei Queens

Pecan sticky toffee pudding mit Pekanuss-Grapefruit-Eis

Mit englischer Küche hab ich wirklich nix am Hut. Gar nix.

In der Oberstufe durfte ich mit meinem damaligen Englisch-Leistungskurs mal für ein paar Tage nach Oxford mit Abstecher nach London. Kulinarisch gesehen echt die Wüste für mich. Okay, lag vielleicht auch dran, dass wir nur zwei Mädels im Kurs waren und ich lieber mit nahezu sämtlichen anderen Kursen nach Italien gefahren wäre. Und, dass unsere Lehrerin meiner Mitschülerin und mir ernsthaft als Aufgabe aufgebrummt hatte, eine Stadtführung durch Oxford auf Englisch zu organisieren. Ohne, dass ich jemals vorher dort gewesen bin und ohne das heutige Internet, geschweige denn Smartphones. Nicht nur, dass meine Vortragsfähigkeiten als pubertierendes Mädel unterirdisch waren – die Stadtführung mit einer Rasselbande von Jungs machen zu müssen, glich für mich dem Supergau. Das Ganze wurde zur Krönung auch noch benotet. Soviel zu meinen bisherigen Berührungspunkten mit dem Inselstaat. Auch wenn ich heute irgendwie drüber schmunzeln muss.

Dabei gibt es da so viel Schönes zu entdecken. Sogar Essbares. Fasziniert bin ich (auch als Youngster) vom Buckingham Palace gewesen. `Ne echte Königin! Das kannte ich nur aus den Märchenbüchern. Allein schon die Palastwache versetze mich in Staunen. Kürzlich las ich, dass die amtierende Queen Elizabeth II. tatsächlich schon seit 1952 im Amt ist und gerade ihren 96. (!) Geburtstag feierte. Das Geheimnis ihres hohen Alters kenne ich nicht, aber wie ich bei Zorra gelesen habe, steht sie wohl auf Süßes. Grund für Zorra und Kenwood nach einem queenwürdigen Pudding zu suchen! Naja, Pudding ist übrigens nicht gleich Pudding. Im deutschen ist das ziemlich klar eine milchbasierte Süßspeise, die wackeln darf. Im englischen Sprachgebrauch ist das ein verdammt weites Feld.

Mit solchen Begrifflichkeiten jonglieren könnte ich jetzt, lass ich aber mal besser andere schön erklären. Aber einen schicken Nachtisch machen mit etwas british flavour für die Queen, das kann ich. Und jetzt ist die Frage: Ist mein saftiger sticky toffee pudding mit gerösteten Pekannüssen, dazu eine himmlische Toffee-Sauce und ein (im wahrsten Sinne des Wortes) meltin’away Pekanuss-Grapefruit-Eis thronwürdig? Und welcher “Queen” will ich das denn widmen? Offiziell muss ich es wohl Ihrer könglichen Majestät angedeihen lassen. Aber es gibt ja noch andere Queens für mich. Man könnte da an die Queen of Pop denken… Madonna oder Britney Spears, okay, Freddy Mercury hätte da auch noch ein Wörtchen mitzureden ;-)… In meiner kleinen Welt der Foodblogs zum Beispiel ist das aber Zorra. Nein, ich hab es nicht nötig zu schleimen. Aber wer seit 2004 so verdammt viele Menschen inspiriert und kontinuierlich bloggt, der hat sich diesen Status definitiv hart erarbeitet. Und alle, die selbst einen Blog (oder eben ein anderes zeitaufwändiges Hobby) mit Herzblut betreiben, die werden mir zustimmen. Das kann man schonmal würdigen.

Aber jetzt zum Essen :-). Ich liebe solche Challenges ja. Sie bringen mich immer wieder auf so tolle Ideen. Wie auch die Idee einen Pudding für die Queen zu kreieren. Der klassische sticky toffee pudding ist eigentlich ein sehr saftiger Biskuit mit reichlich Datteln, der mit Sirup oder Toffee Sauce getränkt/übergossen wird. Wenns besonders sein soll, darf noch etwas Custard oder Eis dazu Hier bei Zorra findet sich bereits ein schönes Rezept. Aber wer mich kennt, weiß: Ich muss mir was Neues einfallen lassen.

Pecan sticky toffee pudding mit Pekanuss-Grapefruit-Eis

Here we go! Statt der üblichen Datteln, die eingeweicht und püriert im original sticky toffee pudding landen, habe ich Cranberries und Apfel-Quittensaft verwendet – so wird das Ganze zwar immer noch herrlich süß, aber etwas fruchtiger. Und für mehr Biss und Aroma habe ich geröstete Pekannüsse dazu gegeben. Bei der Toffee Sauce bin ich brav geblieben, aber statt zum Beispiel ein Vanilleeis zum Toppen zu reichen, hab ich mir noch was verdammt Leckeres aus der Eismaschine geholt: Ein Pekannuss-Grapefruit-Eis. Irre cremig dank des weißen Mandelmuses (danke an Susanne und Bettina für diese geniale Idee), auch noch komplett ohne Ei, aber dafür mit herrlichstem Nussaroma und genau der richtigen Frische und Säure durch Grapefruit.

Jetzt kommen wir nur zum Haken: Ich gehöre zu den Foodbloggern, die richten das Essen an, lichten es ab und stürzen sich dann sofort auf die Teller. Manchmal richte ich auch nur einen Teller an und halte den Rest warm. Denn kalt oder abgestanden essen, geht auf keinen Fall. Geschmack ist das A und O.

Tja, und wenn du dir jetzt vorstellst wie ich die noch lauwarmen sticky toffee puddings aus den Förmchen stürze (klappt übrigens 1a – versprochen!), dann die warme toffee sauce darübergieße und schließlich noch ein paar Grapefruitstückchen, etwas Grapefruitschalenabrieb und ein paar gehackte Pekannüsse darüber gebe, dann zum Tiefkühler gehe und wundervolle Kugeln Pekanuss-Grapefruit-Eis forme, um dem Teller und auch dem endgültigen Fotomotiv den finalen Clou zu geben… Und dann einfach die verdammten Sch…-Eiskugeln einfach in Überschallgeschwindigkeit schmelzen. Denn (surprise, surprise…) sticky toffee pudding nebst Sauce waren ja noch lauwarm.

Schmeckt genau so natürlich am allerbesten. Ist aber mehr als bescheiden um Poser-Fotos zu schießen. Nur so mal als Fun-Fact. Aber hey, so siehst du natürlich wie echt mein Dessert ist.

Und jetzt genug erzählt. Hier gibts mein Rezept. Happy Birtday, Lilibet, in diesem Sinne!

Pecan sticky toffee pudding mit Pekanuss-Grapefruit-Eis

Pecan sticky toffee pudding mit Pekanuss-Grapefruit-Eis

Zutaten für sechs Personen als Dessert:

Für den sticky toffee pudding:
Ausreichend für 6 kleine, ofenfeste Keramik-/Souffleförmchen in Muffingröße
100 g getrocknete Cranberries
150 ml Apfel-Quittensaft (alternativ Apfelsaft und ein Schuss Zitronensaft oder Orangensaft)
1/2 TL Natron
1 TL Backpulver
75 g Weizenmehl (Type 405)
50 g Pekannüsse
30 g weiche Butter
50 g Zucker
1 Ei (Größe M)
zusätzlich: etwas Butter und ca. 3-4 EL Zucker zum Fetten und Ausstreuen der Förmchen

Für die Toffee Sauce:
50 g Zucker
75 g Sahne
1 EL Butter

Für das Pekannuss-Grapefruit-Eis:
80 g Zucker
1 g Johannisbrotkernmehl
15 g flüssige Glukose
250 ml Milch
150 ml Sahne
50 g weißes Mandelmus (aus Drogerie oder Reformhaus oder gut sortierter Supermarkt)
40 g Pekannüsse
1 Grapefruit mit unbehandelter Schale (benötigt werden Schale, etwas Saft und zum Servieren ein wenig Fruchtfleisch)

Zubereitung:

Sämtliche Pekannüsse (sowohl für das Eis als auch für den sticky toffee pudding) in einer Pfanne ohne Zugabe von Fett rösten bis sie duften, aus der Pfanne nehmen und dann sehr fein hacken.

Zunächst alles für das Eis vorbereiten. Hierzu Zucker und Johannisbrotkernmehl vermischen. Milch und Sahne in einen kleinen Topf geben und erhitzen (nicht kochen!). Den Topf vom Herd ziehen und Zucker, Johannisbrotkernmehl und Glukose zugeben und einrühren. Das Mandelmus zugeben und mit dem Stabmixer gründlich durchmixen. Mit einer Zitrusreibe die Schale der Grapefruit hauchdünn abreiben und zur Eismasse geben. Einen Teil der Grapefruit auspressen – es werden ca. drei Eßlöffel des Saftes benötigt. Die übrige Grapefruit schälen und etwas des Fruchtfleisches zum Anrichten abgedeckt beiseite stellen. Die abgekühlte Eismasse in eine Eismaschine geben und gefrieren lassen. Falls möglich, die gehackten Pekannüsse (40 g) sowie den Grapefruitsaft circa zehn Minuten vor Ende der Gefrierzeit zugeben, andernfalls eben nach dem Gefrieren unterziehen. Nach der Gefrierzeit (bei meiner Eismaschine sind das knapp 50 Minuten) die Eismasse in ein verschließbares Behältnis geben und im Tiefkühler noch etwas (je nach Ausgangslage zwischen zwei und vier Stunden) anziehen lassen, sodass sich schöne Kugeln formen lassen.

Ist das Eis vorbereitet, mit dem Törtchen aka sticky toffee pudding fortfahren. Hierzu die getrockneten Cranberries fein hacken. Derweil in einem Töpfchen auf dem Herd den Apfel-Quittensaft erhitzen. Die gehackten Cranberries zugeben und einmal aufkochen lassen. Das Ganze vom Herd nehmen und sofort das Natron einrühren. Die eingeweichten Cranberries so beiseite stellen.

Die Förmchen für den sticky toffee pudding sehr gründlich buttern und mit Zucker ausstreuen. Überschüssigen Zucker, der nicht haften bleibt wieder vorsichtig herausklopfen.

Den Ofen auf 160 Grad Ober-Unterhitze vorheizen.

Die eingeweichten Cranberries inklusive Einweichflüssigkeit sehr gründlich pürieren. Zucker, Butter und Ei mit einem Schneebesen in einer separaten Schüssel verrühren. Mehl und Backpulver dazu sieben. Mit den übrigen Pekannüssen (50 g) und der Zucker-Butter-Ei-Mischung vermengen. Zuletzt die pürierten Cranberries unterheben.

Die Förmchen nun zu 3/4 mit der sticky toffee pudding-Masse befüllen und im vorgeheizten Ofen ca. 30 Minuten auf mittlerer Einschubleiste backen. Sie sollten sich nach dem Backen (noch warm!) mit leichtem Klopfen nahezu von selbst aus den Förmchen lösen lassen, da der Zucker karamellisiert.

Während die kleinen Puddings im Ofen backen die Sauce vorbereiten. Hierzu den Zucker leicht hellbraun in einem kleinen Topf karamellisieren und dann die Sahne vorsichtig zugießen. Achtung, nicht erschrecken: Der Zucker wird sofort wieder fest werden und es kann spritzen! Dann so lange auf mittlerer Hitze und gelegentlichem Rühren so lange köcheln lassen bis der Zucker wieder aufgelöst ist. Die Butter zugeben und dann warmhalten bis zum Servieren.

Nun die aus den Förmchen gelösten pecan sticky toffee puddings auf Tellern verteilen. Jedes Törtchen mit etwas Toffee sauce toppen. Anrichten dann mit jeweils einer Kugel Pekanuss-Grapefruit-Eis, einigen Fruchtfleischstückchen der Grapefruit und ein paar gehackten Pekannusskernen.

Guten Appetit!

Tipp: Das gesamte Dessert kann hervorragend vorbereitet werden! Wer den pecan sticky toffee pudding für Gäste vorbereiten will, kann das Eis tags zuvor vorbereiten. Die Sauce kann sogar Tage zuvor vorbereitet und im Kühlschrank gelagert werden – nur rechtzeitig in einem Töpfchen wieder erwärmen, da sie fest wird, wenn sie abkühlt. Selbst das Törtchen selbst kann Tage zuvor gebacken werden. Vor dem Servieren einfach nur nochmal zart erwärmen – bitte nicht knallhart “durchbacken”, sonst ist es mit der saftigen Chewyness vorbei ;-)…

Anmerkung: Prima schmeckt das Dessert garantiert auch mit Walnüssen statt Pekannüssen.

Pecan sticky toffee pudding mit Pekanuss-Grapefruit-Eis

Blog-Event Blog-Event CLXXXV - Pudding für die Queen (Einsendeschluss 15. Mai 2022)

Pecan sticky toffee pudding mit Pekanuss-Grapefruit-Eis

4 Kommentare

  1. Ich finde ja, der sieht super aus. Und ich lese lieber bei Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie ihr Essen auch geniessen und es nicht zum Fotografieren in Kunstharz gießen. Und was die zwei Queens angeht – stimmt :-).

  2. Och Eva, dein Text hat mich erröten lassen und ein paar Lacher hervorgelockt! Und dein Sticky-Pudding hat natürlich meine Speichelproduktion angeregt und wie! Danke für diesen tollen Beitrag. Ich drücke dich!

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