{Kochbuchrezension}
Kürzlich habe ich euch gerade ein feines, vegetarisches Kochbuch hier vorgestellt. Exakt zeitgleich erreichte mich auch diese Neuerscheinung, die ich euch heute vorstellen möchte!
“Zu Gast in Rom” von Stefan Maiwald, das ebenfalls im Callwey Verlag erschienen ist.
Dieses Buch wollte ich mir unbedingt genauer anschauen und auch hier im Blog besprechen, da ich verliebt in Rom bin. Bisher konnte ich dort nur einige Tage verbringen. Das war vor ein paar Jahren mit meiner Schwester, aber plötzlicher hätte mich die Liebe nicht treffen können. Rom und ich waren direkt schockverliebt – das Essen, die Menschen, die Atmosphäre, die Kunst. Ich könnte ewig weiter aufzählen, was mich an dieser Stadt sofort gepackt und nicht mehr losgelassen hat!
Und ehrlich gesagt, transportiert das Buch das auch exakt so!
Es ist sozusagen ein kulinarischlastiger Reiseführer mit tollen Rezepten von Gastronomen aus der Ewigen Stadt. Es fühlt sich an wie ein ausgiebiger Spaziergang mit vielen Kostproben!
“Zu Gast in/auf…” ist eine Reihe im Callwey Verlag, das verschiedene Orte in herrlichen Bildern näher porträtiert.

Aber wie immer: Von vorn!
Optik und Aufmachung:
Wie im Callwey Verlag gewohnt, besticht das Buch durch eine sehr hochwertige und edle Verarbeitung. “Zu Gast in Rom” lädt mit seinen stimmungsvollen Bildern von Andrea di Lorenzo in die Ewige Stadt ein. Das Inhaltsverzeichnis orientiert sich an den unterschiedlichen Stadtteilen und ihren ganz eigenen Spezialitäten und Besonderheiten. Jedes Kapitel stellt kurz das jeweilige Gebiet vor und widmet sich dann sorgfältig ausgewählten Gastronomen sowie deren Rezepten. Stefan Maiwald stellt die einzelnen Gastronomen und ihre Küche vor und natürlich auch, weshalb sie sich einen Platz in diesem Buch verdient haben.
Jeder Gastgeber zeigt anschließend mindestens ein eigenes Rezept mit ansprechendem Foto. On top verrät jeder Protagonist ebenfalls seine kulinarische Lieblingsadresse! Am Ende eines jeden Kapitels gibt es ebenfalls übersichtlich strukturiert noch einige Geheimtipps und Wissenswertes rund um das Viertel.
Durch die sinnvolle Aufteilung findet sich der (noch unkundige) Leser zügig zurecht!

Pasta mit Vongole und Cannellini-Bohnen
Rezepte und Nachkochbarkeit:
Als kochbegeisterte Person hab ich mich natürlich auch gleich an die Rezept gemacht. In altgewohnter Manier bin ich durch die Kapitel gegangen und mir überlegt, was mich so alles anspricht! Gleich vorneweg: Es fühlte sich sehr authentisch an, was hier geboten wird. Man findet sowohl das Grundrezept für römischen Pizzateig als auch für Artischocken nach römischer Art, aber auch wirklich ausgefallene bzw. weniger bekannte Gerichte und auch fantastische Eigenkreationen der römischen Restaurants. Ein wahres Füllhorn der Kulinarik in Rom! Von Chitarrina-Pasta mit Schafsragout, Estragon und Zitrone oder römischer Occhsenschwanz mit Tomaten, Sultaninen, Pinienkernen und Bitterschokolade oder Risotto mit Scampi, Räucherbutter und Zitronencreme oder eben auch Suprema di pollo, gefüllte Hähnchenbrust mit Scamorza, Auberginentatar und Bohnensalat.
Was ich sehr hilfreich und angenehm empfinde, ist, dass die Rezeptseiten genau so gestaltet sind, wie man sich das wünscht, wenn man ernsthaft nachkochwillig ist: Übersichtlich, sämtliche Zutaten, die benötigt werden, sind sofort ersichtlich und auch die Rezeptbeschreibung lässt meines Erachtens keine Fragen offen. Auch durch das Foto weiß man gleich, was man erwarten kann.
Ich habe mich auch dieses Mal über bisher drei Rezepte hergemacht:
Zunächst habe ich Tubetti con fagioli e cozze zubereitet, also Pasta mit Cannellini-Bohnen und Miesmuscheln. Leider waren ausgerechnet Miesmuscheln in meiner Stadt nicht in ansprechender Qualität zu bekommen, dafür lustigerweise Vongole, daher musste ich ein wenig improvisieren. Ansonsten habe ich mich ans Rezept von Adriano Rausa (Restaurant Giano; Kapitel Trevibrunnen & Tridente) gehalten und die ganze Familie konnte sich an dem feinen Gericht erfreuen. Die Pasta wird in einem Sud ähnlich wie beim Risottokochen gegart, zu dem sich auch der Muschelsud gesellen darf. Das sorgt für eine wirklich feine Sauce, die durch die Zugabe von Pecorino und Kräutern wirklich aromatisch gelingt. On top dann die ausgelösten, gegarten Muscheln, war das eine superleckere Angelegenheit! Herrlich wärmend ein bisschen wie ein Eintopf, aber eben eleganter.
Das zweite Gericht waren die Melanzane marinate, also marinierte Auberginen mit Knoblauch, Chili und Petersilie. Zubereitet nach einem Rezept der Brüder Trecastelli (Fratelli Trecca direkt am Circus Maximus) liegt der Zauber bei diesem Gericht natürlich an der Qualität der Zutaten, aber auch der Sorgfalt und etwas Zeit. Die Auberginen werden in hauchdünne Scheiben geschnitten und nur kurz im Ofen gegart. Und dürfen dann ein ein overnight-Schönheitsbad mit diversen Aromen nehmen. Einfach köstlich!
Beim dritten Gericht aus dem vorliegenden Buch habe ich mich absichtlich an etwas gewagt, was sich im ersten Moment sehr ungewöhnlich gelesen hat: Crostone con pesto di fagiolini – Knuspriges Brot mit grünem Bohnenpesto, Weichkäse und eingelegten Pfirsichen nach einem Rezept von Sara Bonamini und Flaminia (Tulipane im historischen Zentrum). Das klang so verrückt für mich, dass ich das testen musste! Okay, und zufällig hatte ich auch noch leckeren Taleggio im Kühlschrank, der nahezu danach gerufen hat! Die Aromenkombination klingt fancy, ergibt aber einfach Sinn. Es ist ein Zusammenspiel aller Geschmacksrichtungen und genau das macht es aus! Uns hat es super geschmeckt!
Alle drei von mir ausgewählten Rezepte waren gut machbar und haben nicht nur beim Essen Freude bereitet.

Fazit:
“Zu Gast in Rom” ist eine echte Hommage an Roms Kulinarik. Und dadurch, dass man wirklich durch die Stadtviertel “geht”, fühlt sich das sehr nah und authentisch an. Auch dass die Rezepte von so vielen unterschiedlichen Köchinnen und Köchen bereitgestellt wurden, sorgt für eine tolle Vielfalt und spannenden Ideen. Das Buch hat nur den großen Fehler, dass man eigentlich sofort da hin möchte. Sozusagen mit eingebautem Fernwehschalter!
Das Buch gibt wirklich super Tipps für den nächsten Rom-Trip. Einziger Haken – vorher eine eigene, kleine Liste anlegen, denn das Buch ist doch etwas zu sperrig für die Urlaubstasche ;-)! Aber das sollte natürlich auch nicht der Anspruch an dieses bildgewaltige Werk sein – sondern eher ein Nachschlagewerk für zu Hause und fantastische Inspirationsquelle. Wer da noch hungrig bleibt, ist selbst schuld!
Auch in diesem Buch habe ich extrem viele sehr spannende Rezepte entdeckt, die es noch auf unsere Teller schaffen werden. Der Großteil der Rezepte bereitet garantiert auch einem “blutigen” Kochanfänger keine Schwierigkeiten. Eine handvoll der Rezepte ist allerdings schon etwas anspruchsvoller, sodass man sich mit etwas Erfahrung bestimmt etwas leichter tut. Dadurch, dass die Rezepte mit Schwierigkeitsgraden gekennzeichnet sind, ist das klar ersichtlich und daher definitiv kein Kritikpunkt. Der Vielfalt wird damit Rechnung getragen und jeder Leser findet seinem Geschmack entsprechend garantiert etwas Passendes!
Mein Fazit daher: Dringende Kaufempfehlung für alle Rom-Fans (oder die, die es werden wollen) als Vorbereitung für den nächsten Trip!
Anmerkung: Vielen Dank an den Callwey Verlag für die Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplares. Meine Meinung über den Inhalt bleibt hiervon unberührt.
