Cherry-Gin mit Estragon – meine Teilnahme bei „Das perfekte Dinner – Wer ist der Profi?“

Das perfekte Dinner - Aperitif Cherry-Gin mit Estragon

Stellt euch vor, ihr steht in eurer Küche, es klingelt um 9 Uhr morgens an der Tür und ein Fernsehteam begleitet euch einen ganzen Tag beim Kochen und den Vorbereitungen für euren Abend als Gastgeber bei „Das perfekte Dinner – Wer ist der Profi?“.

Es klingt nicht nur verdammt verrückt, dass wirklich jeder Moment und jeder Kochschritt minutiös in Bild und Ton festgehalten wird, sondern steigert natürlich die Aufregung bis zum Abend enorm. So habe ich mich bei meiner Teilnahme bei der beliebten Kochsendung gefühlt – ich wurde den ganzen Tag über daran erinnert, dass abends meine „Mitstreiter“ mich besuchen und ich sie bestmöglich bewirten möchte. Nein, man macht sich keinen Erfolgsdruck…

Aber ich sollte wohl von vorne beginnen: Vor einiger Zeit wurde ich von sehr freundlichen Menschen kontaktiert, ob ich mir eine Teilnahme in genau diesem Sendungsformat vorstellen könne. Vorher sagte ich mir immer: „Nee, perfektes Dinner, da machst du nicht mit! Am Ende wühlen sämtliche Besucher noch in deiner Unterwäsche rum oder alles wird durch den Kakao gezogen.“ Aber nach der Anfrage habe ich mir das mal wirklich realistisch und genauer überlegt. Traue ich mich das? Mir eigentlich unbekannte Menschen gut zu bekochen? Einen schönen Abend bei mir zu gestalten? Und natürlich auch eine Woche auf Achse zu sein und jeden Abend bei einem anderen Teilnehmer zu Gast?

In meinem heutigen Bericht will ich euch also von meiner Teilnahme berichten und verrate natürlich auch, was so hinter den Kulissen passiert. Mit ein paar Vorurteilen werde ich auch gleich mal aufräumen.

In der Sendung „Das perfekte Dinner – Wer ist der Profi?“ bekochen sich fünf Kandidaten abwechselnd gegenseitig. Jeden Abend bewerten die Gäste das Dinner des jeweiligen Gastgebers mit einer Punktzahl von 0-10, wobei 10 die bestmögliche Bewertung ist. Am Ende der Woche wird der Sieger mit den meisten Punkten der Woche gekürt. In dieser Variante der Show mischt sich ein Profikoch inkognito unter die Hobbyköche. Zusatzchallenge ist also den Profikoch zu enttarnen.

Tatsächlich dachte ich nur: Ich trau mich jetzt einfach mal. Das mit dem Kochen pack ich schon. Der Rest ergibt sich.

Und zack, war ich dabei. Witzigerweise lagen zwischen dem Zeitpunkt der Zusage von der Redaktion, dass ich in genau dieser Runde dabei bin und Drehbeginn kurzfristige zwei Wochen. Ich hab mich ein bisschen wie im Traum gefühlt. Und das kleine (kulinarische) Abenteuer konnte beginnen!

Der wichtigste Dreh- und Angelpunkt für mich war selbstverständlich, wer hätte es gedacht, mein Menü. Ich habe mir alle Mühe gegeben, Komponenten auszuwählen, die für viele Geschmäcker passen. In der Profi-Runde nehmen seltener Köche teil, die vegan oder vegetarisch leben, sodass ich langsam die Idee zu meinem regional angehauchten Menü entwickelte und mich auch etwas mutiger werden ließ.

Zeit für Experimente ist am eigenen Kochtag definitiv nicht. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass keine Zeit bleibt für Kochversuche. Aus diesem Grund habe ich mich an meine Stärken gehalten und Dinge gekocht, die ich schon häufiger so zubereitet habe und bei den Gerichten die Zusammensetzung auch völlig klar war.

Ein wenig Risiko muss man natürlich eingehen, da man mit der „völlig sicheren Bank“ der doch sehr hohen Erwartungshaltung in dieser Spezialausgabe nicht gerecht werden könnte.

Hier also mein Menü für „Das perfekte Dinner“:
(zu den bereits verbloggten Rezepten gelangt ihr einfach mit einem Klick darauf)

Aperitif
Cherry-Gin mit Estragon

Vorspeise
Sanft gegarte Gin-Forelle mit Apfel-Kohlrabi-Salat mit einem Haselnuss-Verjus-Dressing, grüner Creme und Emmer-Krachelscher

Gin-Forelle

Hauptgang
Kräuter-Lammkarree mit Rotwein-Risotto, Pilz-Knusper und Balsamico-Birnen und Feigen

Dessert
Pfälzer nach Dampfnudel mit Salzkruste, Vanillesauce, Weinschaum und Traubenragout

Mein Menü sollte so regional wie nur irgend möglich sein. Denn ich hatte mir geschworen: Mein Essen soll meine Küche und mich repräsentieren. Lange habe ich überlegt, ob etwas Ausgefalleneres mit mehr Tamtam nicht klüger wäre. Aber ich bin mir treu geblieben und habe es nicht bereut.

Was nicht heißen soll, dass hier keine Stolperfallen lauern würden. Die Lachsforelle (übrigens aus einem Forellenteich in der Umgebung) in der Vorspeise ist beim Servieren nur lauwarm, da sie bei niedriger Temperatur nur ganz kurz angegart wird. Ein, zwei Minütchen zuviel und der perfekte Garpunkt ist dahin. Ebenfalls die Kerntemperatur des Lammkarrees: Schön saftig muss es sein, aber bitte nicht zu roh. Und nicht zu vergessen die Konsistenz des Risottos, das allein schon polarisieren kann. Und wer auch nur einmal im Leben gesehen hat, wie der kritische Moment im Leben einer Dampfnudel aussieht und das allein schon, wenn man den Teig vergeigt (übergangen, Temperaturschwankungen, zu kurze Gehzeiten,…) oder auch weil eben die Dampfnudel à la minute in der Pfanne im heißen Wasserdampf gegart wird und die krachende Salzkruste just im letzten Moment entsteht, weiß was da alles schiefgehen kann. Daneben ist die Zubereitung des Weinschaumes wirklich fast ein Kindergeburtstag.

Nachdem ich mich erstmal unbändig gefreut habe, dass ich überhaupt dabei bin, kam direkt im Anschluss die Panik wie ich das direkt nun noch alles schaffen sollte bis zur Drehwoche!

So richtig Zeit zum Proben gab es nicht, sodass ich mein komplettes Menü exakt ein einziges Mal vor lieben Freunden getestet habe. Bei dieser „Generalprobe“ wurden auch die mit einem Weinprofi dazu ausgesuchten Weine verkostet. Überraschenderweise gab es in meiner Dinner-Runde generell keine großen Weinfreunde. Und den hochdekorierten Pfälzer Wein empfand so mancher als zu sauer. Allerdings ist auch Wein eben Geschmackssache und ich werde sicher nie ein Mädel sein, dass bei einem halbtrockenen Wein in Jubel ausbrechen wird. Mit der Auswahl habe ich mir viel Zeit gelassen und mir große Gedanken gemacht. Dafür kam das Pfälzer Bier gut an – in einer reinen Männerrunde punktet man eben mit anderen Dingen.

Die nächsten Schritte bei meinen Vorbereitungen waren eine Menge Punkte! Ich habe mir überlegt wie wir die Wohnung noch etwas ummöblieren, sodass nicht nur meine lieben Gäste, sondern auch noch ein ganzes Filmteam Platz findet. Mein lieber Schwager und mein allerliebster Mann haben sich daher für mich diesbezüglich nochmal ganz schön abgerackert, da ich saß ja schon im Zug Richtung Berlin!

Auch mussten alle Gegenstände und Fotos verschwinden, die mich direkt als „Eva“ enttarnt hätten. Wir waren ja alle inkognito und keiner wusste, wer seine wahre Identität wirklich verschleiern musste.

Und dann gings ans Fein-Tuning: Ablaufpläne schreiben, nicht, dass am großen Tag das Lampenfieber zu sehr zuschlägt und man dann alles vergisst, Tischdecken, Gläser, Geschirr und natürlich Zutaten einkaufen, Urlaub einreichen, Wein und Verjus besorgen, Gedanken zum Aperitif machen, Blumen für den Tisch bestellen, Tellerwärmer organisieren, Köfferchen für die Reisetage packen etc. Die Zeit bis zur Drehwoche verging wie im Flug…

Zuvor wurde mir mitgeteilt, dass ich am zweiten Tag der Dinnerwoche Gastgeberin sein würde. Das hat mich doch sehr beruhigt, da dem Gastgeber des ersten Abends eine große Last aufgebürdet wird. Wir alle sehen uns zum allerersten Mal und spontan reagieren auf Unverträglichkeiten oder geschmackliche Differenzen ist natürlich schwierig. Alles muss sich erst einmal einspielen und noch weiß ja keiner der Teilnehmer wie der Hase so läuft.

Über meine Mitköche wurde mir vorab wirklich nichts verraten und ich erhielt zuvor lediglich die Stationen meiner „Reiseroute“ und die Zeitplanungsübersicht. Ich kann euch gar nicht sagen WIE wahnsinnig gespannt ich war. Kaum schlafen konnte ich die Tage bevor es losging.

Ich muss sagen, dass das wirklich eine extrem spannende und ereignisreiche Woche für mich war. Ich habe jeden Abend auf tollem Niveau gegessen und getrunken und ich habe vier Foodies kennengelernt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Aber gerade das hat es auch so spannend gemacht. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wären wir uns alle niemals begegnet. Es war wirklich eine tolle Zeit.

Völlig zu Recht hat in unserer Dinner-Woche der Profikoch Dennis aka Chris, der aktuell im Restaurant Schiffers – Im alten Löwen in Essen kocht, gewonnen. Er hat die maximal mögliche Punktzahl (40) bekommen. Ein absolut verdienter Sieg – wir waren uns alle einig und kamen aus dem Staunen und Schwärmen kaum heraus!

Was viele Zuschauer nicht glauben können: Diese Show wird in Echtzeit gedreht. So hat sich nicht nur die Film-Crew, sondern auch wir Kandidaten halbe Nächte um die Ohren geschlagen. Es wurde tatsächlich nie in den jeweiligen Ablauf des Abends weder zeitlich noch inhaltlich eingegriffen. Natürlich waren wir zu Beginn doch ein wenig verkrampft – die Anwesenheit gigantischer Kameralinsen (ja, mehrerer) lässt sich irgendwie nicht ignorieren… Aber Abend für Abend wurden wir lockerer und konnten die Zeit auch immer mehr für angenehme Gespräche und natürlich auch den kulinarischen Austausch nutzen!

In der Nacht vor meinem Kochtag habe ich im Traum sicherheitshalber nochmal mein Menü gekocht. Und es hat sich so gruselig echt angefühlt… viel zu früh war ich leider schon wach und so richtig erholt war ich auch noch nicht – nun ja, mir steckte der Berlintrip ja auch noch etwas in den Knochen…

Wohlwissend, dass spätestens um 9 Uhr die Kamera laufen würde, habe ich natürlich auch nochmal alle meine Zutaten zuvor durchgecheckt bzw. war mein lieber Mann noch schnell für mich unterwegs und hat die letzten (ganz frischen) Lebensmittel besorgt. Zeit zum Einkaufen hat man in der Profiwoche realistisch gesehen wirklich leider keine mehr.

Wirklich lebensnotwendig hat sich ein (lächerlich!!) minutiöser Ablaufplan für mich erwiesen. Ganz klar hätte ich sonst sicherlich mal in der Aufregung etwas durcheinander gebracht oder womöglich gar vergessen. Einige Freunde und auch so mancher Leser hat mir nach der Ausstrahlung gesagt, dass ich extrem ruhig und besonnen gewirkt hätte. Lasst euch gesagt sein: Ich bin innerlich halb gestorben vor Angst. Was, wenn mir etwas (Wichtiges) herunterfällt, misslingt,…? Die Liste wäre unendlich fortzusetzen, aber so ist es nunmal!

Im Nachhinein betrachtet kann ich es eigentlich kaum glauben, dass nichts wirklich daneben gegangen ist! Okay, ich habe bei meiner Frage, ob die Herren zum Dessert eine ganze oder nur eine halbe Dampfnudel auf dem Teller haben möchten vor lauter Aufregung und Geräuschkulisse völlig überhört, dass sich alle gleich noch eine ganze Dampfnudel zugetraut haben. War natürlich ein genialer Lacher. Ich könnte mich vielleicht noch damit rausreden, dass ich nur auf das strapazierte Kalorienkonto in dieser Woche Rücksicht nehmen wollte. Nee, nur Spaß!

Aber der Stein, der mir nach dem letzten Gang vom Herzen geplumpst und bei uns ins Tal gerollt ist, der hatte gigantomanische Ausmaße…

Und bevor ich euch mein Rezept meines Aperitifs, einen Cherry-Gin mit Estragon, verrate, muss ich noch loswerden: Dankeschön an meinen lieben Mann, der mir den Mut gemacht hat, es einfach zu wagen und wirklich sämtliche Steine (und Möbel) aus dem Weg geräumt hat für mich.

Dankeschön auch an meine Mama, meine Schwiegermama, meinen Schwager und last but not least meine Oma, die nicht nur Equipment, Muskelkraft und Nerven zur Verfügung stellten, sodass dieser Dreh überhaupt möglich war.

Und natürlich: Danke an das tolle Team, dass sich vom ersten Telefonat über die Aufzeichnung bis zur Ausstrahlung so lieb und freundlich um uns gekümmert hat. Es hat echt Spaß gemacht mit euch zu drehen. Dankeschön an meine lieben Mitköche meiner Teilnahme-Woche! Ich habe mich riesig gefreut, dass wir uns kennengelernt haben. Bestimmt sehen wir uns, ganz entspannt ohne Kameras, einmal wieder!

Ich hoffe, euch hats auch ein bisschen gefallen ;-).
Das perfekte Dinner - Aperitif Cherry-Gin mit Estragon

Jetzt aber ein großes Prosit mit meinem gefährlich guten Drink!

Das perfekte Dinner - Aperitif Cherry-Gin mit Estragon

Cherry-Gin mit Estragon

Zutaten pro Person/Glas:
2 cl Gin
1 cl Zitronensaft (frisch gepresst)
1 cl Sauerkirsch-Sirup
Tonic Water zum Auffüllen
Eiswürfel
frischer Estragonzweig

Zubereitung:

Gin, Zitronensaft und Sauerkirsch-Sirup in das Glas geben. Einige Eiswürfel zugeben und umrühren. Mit Tonic Water auffüllen und einem frischen Estragonzweig garniert servieren.

4 Kommentare

  1. Da ich einige Wochen außer Landes war, habe ich mir deine Profiwoche in dieser Woche angeschaut und dein Lammkarree war zum Niederknien. Hast dich wacker gehalten in dieser vor Testosteron strotzenden Woche und unsere tolle Stadt und Region würdig vertreten. Übrigens heiße ich auch Eva und habe dann gesehen, dass ich etwa 100 Meter von dir weg wohne. Ich bin in der sich gründenden Slow Food Gruppe in KL sehr aktiv und lasse dir gerne auch mal mehr Infos zukommen, falls es dich interessiert, vielleicht selbst bei der einen oder anderen Veranstaltung teilzunehmen und/oder mal selbst eine Veranstaltung zu machen. Liebe Grüße Eva

    • Vielen lieben Dank, liebe Namensvetterin für deine Worte. Freut mich sehr, wenn das dein Eindruck war :-). Wie klein die Welt doch ist! Sehr gerne kannst du mir übrigens zu eurer Initiative mehr Informationen zukommen lassen.
      Liebe Grüße,
      Eva

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