Chäsreisli – mein erster Job als Jurymitglied bei den Swiss Cheese Awards und sensationellen Käse (Part 1)

Swiss Cheese Awards

Heute wirds verdammt schwer einen Anfang zu finden. Wer hier brav mitgelesen hat oder mir auch auf Instagram und Facebook folgt, der hat mitbekommen, dass ich mit meinen Chäsplättli ein paar Food-Experten überzeugen konnte und die liebe Zorra vom Kochtopf und Schweizer Käse mich eingeladen haben zu einer wahnsinnig genialen Reise.

Wo soll ich anfangen?
– 40 Sorten Gruyère (einer besser als der andere) zu essen und als Jurymitglied zu bewerten?
– Teil des Swiss Cheese Awards (!) zu sein?
– zum ersten Mal in die Schweiz zu reisen?
– das hübsche Schweizer CH beigebracht zu bekommen?
– live in einer Käserei dabei zu sein wie Sbrinz gemacht wird?
– auf den Pilatus in Luzern zu schweben und auch noch einen Steinbock zu entdecken?
– meinen allerersten Almabtrieb in Entlebuch zu erleben?
– das beste Rösti ever zu essen?
– die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Schweizer kennenzulernen?
– unfassbar guten Käse zu essen? Soviel ich will?
– ganz viele hübsche Kühe?

Irgendwie kann ich es immer noch nicht glauben, was ich in knapp vier Tagen alles erlebt habe! Mit Zorra und Stephanie gings ins schöne Luzern auf unser Chäsreisli und wir durften auf den Spuren des Schweizer Käse wandeln.

Aber heute gehts einfach mal um das Highlight der Reise: Meine Teilnahme als Jurymitglied bei den Swiss Cheese Awards. Was ein bisschen nach einer Filmpreisverleihung klingt, hat jedoch mit Käse zu tun! Und zwar mit DEM Käsewettbewerb der Schweiz! Heute verrate ich euch alles zu diesem Event. In einem zweiten Beitrag gibts aber natürlich auch Einblicke, was wir noch alles in der Schweiz erlebt haben!

Käse ist in der Schweiz definitiv Kulturgut. Sehr strenge Kriterien müssen eingehalten werden, um die Qualität zu gewährleisten und zu sichern. Die Schweizer Käsemeisterschaft ist ein Wettbewerb, der alle zwei Jahre ausgerufen wird. Dieses Jahr waren es tatsächlich über 900 Käse, die zu den Swiss Cheese Awards eingereicht wurden. Diese werden in 28 unterschiedlichen Kategorien eingeteilt wie z.B. Sbrinz, Blauschimmelkäse, Raclette oder auch Gruyère AOP. Für so viele Käse braucht es natürlich eine entsprechend große Jury! Rund 150 fachkundige Menschen, größtenteils aus der Käsebranche, bilden die Jury und verkosten sämtliche Käse ihrer zugeteilten Kategorie.

Swiss Cheese Awards

Am Vorabend kamen wir in Luzern an und uns wurde verraten, welche Kategorie Käse wir verkosten dürften. Meine Freude war sehr groß, als ich erfuhr, dass ich in der Kategorie Gruyère AOP werten darf. Eine große Ehre für mich, da Gruyère AOP und Gruyère d’alpage für mich persönlich besonders interessant sind. Eine kleine Einführung wie der Wettbewerb ablaufen würde, gab es auch schon.

Swiss Cheese Awards

Langsam wurde mir durchaus klar, WIE ernst der Wettbewerb ist. Und wie wichtig erst Recht für die Teilnehmer, die mit ganz viel Herzblut, Schweiß, Mühe und erstklassiger Milch einzigartige Käse geschaffen haben. Ich hatte einen Heidenrespekt, da ich mir der Anforderung auch an mich als Jurymitglied bewusst war.

Am nächsten Tag durften wir ganz früh morgens eine Käserei in nächster Nähe besuchen. Ein sehr schöner und interessanter Auftakt für diesen Tag. Näheres dazu schreibe ich aber im zweiten Beitrag.

Swiss Cheese Awards

Nach dem Besuch ging es auch schon direkt zur Messe Luzern. Wir wurden ausgestattet mit einheitlichen Schürzen, Jacken (zu warm durfte es ja nicht sein in der Halle!) und blauen Käppchen, die mir leider nur so semigut standen :-D. Aber es ging ja nicht um die Optik, sondern es war volle Konzentration unsererseits gefordert. Mit mir im Team Gruyère waren noch vier weitere Jurymitglieder, drei Schweizer und eine Amerikanerin. Alle vom Fach und alles echte Profis. Ich müsste lügen, wenn ich jetzt nicht behaupten würde, dass mir nicht direkt mal das Herz in die Hose gerutscht wäre.

Swiss Cheese Awards

Vor Ort wurden wir näher in die notwendigen Parameter für die Bewertung eingeführt. Haltet euch fest, für den Gruyère AOP gab es sage und schreibe 40 (!!) Einreichungen. Unser Team besprach, worauf wir alle besonderen Augenmerk legen und welche Kriterien wir uns immer wieder (gerade bei der Verkostungsmenge) ins Gedächtnis rufen sollten. Ein Glück hatte ich ein sehr liebes Team, das mich Frischling super unterstützt hat in meiner Jurytätigkeit! Direkt zu Beginn und sozusagen zum Aufwärmen fand ein sogenannter Dreieckstest statt. Er dient als eine Art Geschmackseinstimmung. Hier probiert jedes Jurymitglied drei unterschiedliche Käsestückchen. Eines dieser Stückchen ist ein anderer Käse und sticht daher als abweichend hervor. Falls sich jemand fragt: Ja, den Test zur Einführung habe ich bestanden und bemerkt welcher der abweichende Käse war ;-).

Swiss Cheese Awards

Bewertet wurde jeder Käse in drei Kategorien: Optik, Geschmack (doppelte Wertung) und Textur. Nachdem wir als Gruppe gemeinsam exemplarisch einen Käse getestet haben, ging jeder für sich mit einem Käsemesser bewaffnet ans Werk. 40 tortenförmige, große Stücke Gruyère mit jeweils einer Nummer versehen, warteten auf den großen Moment.

Swiss Cheese Awards

Man könnte jetzt meinen, dass 40 verschiedene Gruyère ja wohl alle ähnlich schmecken würden. Aber dem ist definitiv nicht so. Jeder Käse hat seine eigene Note durch die Milch, den Käseprozess, das Heu, das die Kühe gefressen haben und natürlich die Pflege mit der der Käse umsorgt worden ist. Das sage ich nicht nur so. Das kann ich NACH den Swiss Cheese Awards mit absoluter Bestimmtheit sagen. Ich habe also nach bestem Wissen und Gewissen (und dem Wettbewerbs- und Anforderungskatalog) alle Käse nacheinander gekostet und beurteilt. Spätestens nach Käse Nummer 5 stellte ich fest, dass das hier kein Spaziergang wird, sondern wirklich anstrengende Arbeit. Jedes Käsestück verdient diesselbe Wertschätzung und Aufmerksamkeit.
Swiss Cheese Awards

Welche Abweichung von der definierten Norm ist so schwerwiegend, dass Punkte abgezogen werden müssen? Wie fühlt sich jeder Käse im Mund an? Wie sieht die Rinde auch auf der unten liegenden Seite aus? Wie wurde die Rinde gepflegt? Wie ist der Käse beschaffen – gibt es Risse oder Einschlüsse?

Nachdem alle Käse verkostet und beurteilt waren, wurden die Punkte der gesamten Gruppe vom Oberprüfer zusammengeführt. Sofort wurden nun die Punktdifferenzen innerhalb der Gruppe abgeglichen. Bei einer Abweichung von mehr als einem Punkt in einer einzelnen Kategorie muss die Gruppe nachprüfen und einen gemeinsamen Konsens finden. Gar nicht so einfach, wenn fünf verschiedene Geschmäcker aufeinander treffen.

Meine Jurytruppe hat gemeinsam an einem Strang gezogen und so konnten wir nach einigen Stunden unsere Ergebnisse an die Wettbewerbsleitung weitergeben. Nach deren Freigabe waren wir dann „entlassen“ und von unserer Jurytätigkeit erfolgreich entbunden.

Swiss Cheese Awards

Natürlich nutzte ich die verbleibende Zeit und habe mir die anderen Kategorien angesehen: Meine Freundin Zorra war bei ihrer Jury-Gruppe mit Raclette beschäftigt – und sie verkosteten in festem und geschmolzenem Zustand. Auch eine zeitaufwändige Prüfung. Aber es gab auch so viele spannende Käse zu sehen (und natürlich auch zu schmecken). Am witzigsten war natürlich der Käse-„Döner“. Wobei ich den sich drehenden Käsespieß natürlich tausend Mal cooler finde, als den ollen Dönerspieß! Und wer bitte mag den keinen krossen, gebräunten Käse?! Eben!
Swiss Cheese Awards

Erst am nächsten Tag erfuhren wir, wer die Sieger waren bei einer großen Preisverleihung. Abends wurde dann feierlich die Nacht der Schweizer Käse begangen. Wir durften als Jurymitglieder dabeisein und mit den Siegern feiern.

Swiss Cheese Awards

Auch der kulinarische Teil dieses Abends ließ keine Wünsche offen:

Zur Vorspeise gab es hausmarinierte (butterzarte) Forelle, Forellenmousse, Gurke, Meerrettich, Forellenroggen und Kräutersalat. Ganz mein Fall! Die Forelle erinnerte mich ein bisschen an meine sanft gegarte Forelle.
Swiss Cheese Awards

Als Hauptgang durften wir eine Luzerner Spezialität die Chügelipastetli genießen. Eine Blätterteigpastete gefüllt mit einem Fleischragout vorwiegend aus sehr zartem Kalbfleisch und Brät, aber auch ein paar Innereien (so gut!) und Pilzen.
Swiss Cheese Awards

Zum Dessert gab es putzige Desserthäppli in kleinsten Portionen, sodass man sich durchkosten konnte: Süssmostcreme, Zitronentörtchen, Mousse au Chocolat und winzige Cheesecakes mit Fruchtgelee… Lecker!
Swiss Cheese Awards

Wir durften an dieser wunderbaren Galanacht teilnehmen und das Beste kam natürlich zum Schluss.

Swiss Cheese AwardsNach diesem feinen Menü wurde der „Käsegang“ als Buffet dargebracht. Alle Siegerkäse in ihrer Kategorie wurden direkt von ihren Erzeugern ausgegeben. So konnte man auch endlich die Menschen „dahinter“ kennenlernen und die Sieger beglückwünschen. Gesamtjahressieger 2018 wurde der Gruyère d’Alpage. Besonders gefreut habe ich mich aber auch, dass ich die Käser des Gruyère AOP (meiner Jurykategorie) kennenlernen durfte.
Swiss Cheese Awards
Und falls ihr es nicht glaubt, ja, ich habe noch jede Menge Käse an diesem Abend essen können :-).
Swiss Cheese Awards
Es war mir eine Ehre dabei zu sein!

Swiss Cheese Awards

Ihr wollt wissen, was wir noch so Spannendes erlebt haben in der Schweiz, dann seid gespannt auf Teil 2 – vom Alpabtrieb, einen Blick hinter die Kulissen einer Käserei, dem wunderschönen Luzern und dem Pilatus! Hier findet ihr auch den Bericht von Zorra zu unserem Chäsreisli – unbedingt reinschauen!

Anmerkung: Die Teilnahme zu dieser Reise habe ich mir mit meinen Chäsplättli erkocht. Schweizer Käse hat diese Reise organisiert und bezahlt. Vielen Dank an dieser Stelle! Meine persönliche Meinung über diese Reise habe ich mir selbst gebildet.

6 Kommentare

  1. Was für eine Wahnsinnsreise! Ich glaube, Du hast da in der kurzen Zeit meinen Traumurlaub gemacht. Heute Nacht träume ich bestimmt von diesem Käseparadies.

  2. Das war eine unvergesslich Reise und ich war auch erstaunt, dass ich am Samstagabend schon wieder Käse essen konnte! 🙂 Ich freue mich schon auf Teil 2.

  3. Pingback: Älplermagronen - ein geniales Schweizer Essen lange vor One Pot Pasta

  4. Pingback: Chäsreisli - wo der Käse gemacht wird, Sightseeing in Luzern, Alpabtrieb und wie ich mein Herz an die Schweiz verlor (Part 2) - evchen kocht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.