Kaffeemanufaktur & Rösterei Blank Roast – was Rebholz und guter Kaffee miteinander zu tun haben

…und was eine Tasse Kaffee bei mir verändert hat…

Große Worte direkt zum Auftakt.

Euer Evchen war nämlich mal wieder on tour. Diesmal hat es mich in heimatlichere Gefilde nach Neustadt an der Weinstraße verschlagen.

Genau genommen waren Herr W. und ich nur Kaffee trinken. Aber ganz besonderen! Und deshalb muss ich euch berichten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer mich kennt, weiß, dass ich „eigentlich gar keinen Kaffee trinke“. Was sowieso für Coffeeholics undenkbar ist, liegt bei mir tatsächlich und schlicht und ergreifend an zwei einfachen Tatsachen:
1. die meisten Kaffees schmecken mir einfach nicht. Sie haben häufig „Beigeschmäcker“ wie eine bestimmte Bitterkeit.
2. die meisten Kaffees vertrage ich nicht und ich bekomme tatsächlich Bauchschmerzen davon.

Kommt euch eines oder beide Punkte vielleicht bekannt vor? Oder geht das nur mir so…?
Tja, ich habe bei Blank Roast auch ganz klassischen Kaffee getrunken. Verschämt habe ich ihn mit Milch bestellt, als ich mich mit Herrn Blank, dem Röster des Hauses zu einem Gespräch zusammengesetzt habe. Und habe schon damit gerechnet, dass ich gerügt werde… SO guten Kaffee mit Milch trinken, na! Ist aber nicht passiert.

Mir wurde stattdessen ein winziges Edelstahlmilchkännchen mit aufgeschäumter und leicht erwärmter Milch zu meinem Kaffee serviert. Da ich ein kleines, detailverliebtes Mädchen bin, ist mir das gleich aufgefallen… Der Gegenentwurf, den wir hierzulande häufig serviert bekommen, nämlich die fiese Kaffeesahne aus den kleinen Plastiktiegelchen, ist mir sowieso krass zuwider!

Aber ich schweife ab. An diesem Tag hatte ich schon Bauchschmerzen und machte mir kurz Sorgen, ob dieser Kaffee mich endgültig niederstreckt. Hat er aber nicht. Die Bauchschmerzen verloren sich im Laufe des Tages. Trotz Kaffeegenuss. Was mich wie gesagt, leider sonst häufig ausknockt und ich Kaffee genau deswegen meide.

Aber nun zu dem Neustadter Kaffeemeister Herrn Blank. Falls man sich (noch) nicht für Kaffee, den Geschmack, seine Entstehung und auch den Röstprozess begeistern konnte. Nach einem Gespräch mit dem Herrn des Hauses ist man kaffeeinfiziert. Dass es einer Sache nie schadet, dass man für sie brennt, ist weithin bekannt. Herr Blank lebt genau das. Und das ist unfassbar ansteckend.

Vor 10 Jahren begann Herr Blank mit dem Kaffeerösten. Er versteht die Region Pfalz als Genussregion und neben dem Wein trinken (auch) die Pfälzer sicher am liebsten Kaffee! Herr Blank vergleicht das Kaffeerösten mit einem Handwerk wie dem des Bäckers, das natürlich je sorgfältiger und sorgsamer ausgeführt zu einem anderen Ergebnis führt, als die Industrievariante. Ist ja auch klar. Die Brötchen aus den Turbo-Backshops können niemals an die handgeführten Brötchen eines echten Bäckers heranreichen.

Irgendwie habe ich genau das gedacht, als ich in Neustadt saß und meinen Kaffee geschlürft habe. Schmeckt anders, als die schon längst gemahlene Variante, die am besten noch in Blöckchen gepresst, verkauft wird… man dann in die Kaffeeaufbewahrungsdose schüttelt und verschließt. Im guten Glauben daran, dass der Kaffee dann noch ein tolles Aroma hätte.

Am letzten Wochenende hat mir Herr Blank viel sehr Interessantes zum Thema Kaffee verraten:
Wusstet ihr, dass Industriekaffee wie es ihn im Supermarkt zu kaufen gibt, meist bei 800 Grad bei Heißluft geröstet wird? Dumm nur, dass sich ab 200 Grad Hitze leider nicht nur die ätherischen Öle in der Kaffeebohne verflüchtigen, sondern die Bohne nahezu verbrennt, was zu diesen unangenehmen Bitternoten und den netten und mittlerweile allseits bekannten Acrylamiden führt (=> Das war das fiese, verbrannte Zeugs, das im Verdacht steht, Krebs zu erregen…). Klar, beim schnellen Rösten (ganz entspannt mal 2 Tonnen Kaffeebohnen in 90 Sekunden zur rösten, ist schon ’ne Nummer) ist Zeit einfach Geld. Aber eben auf Kosten des Produktes und dementsprechend des Geschmacks.

Im Vergleich dazu: Herr Blank röstet seinen Kaffee nicht zu dunkel und je nach Bohne bei Temperaturen zwischen 170 und 195 Grad. Danach kommt aber der Clou. Die Bohnen, egal ob industriell oder von „Hand“ geröstet, muss natürlich zeitnah abgekühlt werden. Die Industrie sprüht einfach Wasser auf die Bohnen. Ziel erreicht.

Die Kaffeerösterei Blank hat sich dafür was spannendes ausgedacht: Die Bohnen werden abgekühlt, indem die dazu benötigte Feuchtigkeit über Rebholz in den Ofen bringt. Er röstet die in Wasser eingeweichten Rebholzstücke einfach im Ofen in einer separaten Schublade mit, sodass die Bohnen sanft abgekühlt werden und der Kaffee seine ganz eigene Note bekommt.

In der Kaffeerösterei gab mir Herr Blank aber auch einfach ein paar tolle Tipps für den Nicht-Kaffeespezialisten für den nächsten Kaffeekauf: Am besten regional einkaufen (alte Leier, ich weiß!), aber wenn man sehen kann, wo und wie geröstet wird, macht es das Ganze schonmal transparenter. Das Regionalprinzip hat aber noch einen anderen Vorteil: Kurze Transportwege und kürzere Lagerung – bei Kaffee gilt nämlich: Je älter der Kaffee, desto weniger (guter) Geschmack. Erkennen kann man das daran, dass die Bohnen speckig-glänzend und nicht mehr so matt sind und von ihnen ein eher strenger Geruch ausgeht. Tatsächlich kann ich bestätigen: Als ich an dem GERADE VOR MEINEN AUGEN gerösteten Kaffee gerochen habe, war der Kaffeegeruch überraschend dezent. Für mich erstmal eigenartig, erklärte mir Herr Blank auch diese Tatsache plausibel: Je älter der geröstete Kaffee ist, desto mehr ätherische Öle kommen an die Oberfläche und die Bohne verliert an Aroma, riecht von außen aber stärker.

Spannend fand ich auch die Meinung des Experten wie er zum Thema Latte Macchiato, Cappuccino und Co. steht. Darf man diese Kaffeemisch-Getränke denn trinken oder ist das Frevel am Produkt Kaffee und man sollte den Kaffee nur pur genießen? Antwort von Herrn Blank: Jeder sollte Kaffee so genießen wie es ihm am besten schmeckt. Sich jetzt zum Beispiel die Milch im Kaffee abzuerziehen, obwohl das für einen persönlich einfach besser schmeckt, hält er für unsinnig. Er trinke beispielsweise seinen Espresso immer mit Zucker, weil für ihn dieses Getränk wie eine süße Praline im Mund liegt und für ihn so erst zu genau dem Geschmackserlebnis macht, das er so schätzt. (Deswegen hat er wohl auch nicht über meinen Milchwunsch zum Kaffee geschimpft ;-).)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blank Roast in Neustadt ist gläserne Rösterei, Cafe, Bistro und Laden in einem. Ich habe vor einem Regal mit sagenhaften 35 verschiedenen Kaffeesorten gestanden. Da lag für mich auch die Frage auf der Hand: Was trinken denn die Kunden von Herrn Blank am liebsten? Aktuell wird ein brasilianischer Kaffee namens „Sante“ am häufigsten über die Ladentheke gereicht. Genau der, der auch in meinem Tässchen war. Harmonisch, kräftig, aber nicht so stark, dass es dich gleich völlig umhaut und einfach toll ausgewogen. Wer einmal solchen Kaffee getrunken hat, kauft schon gar keine Pads aus dem Discounter mehr…

Die Reise der Kaffeebohne bis zu meiner Tasse hat mich aber auch fasziniert… Vom Kaffeestrauch bis in meine Tasse braucht das Böhnchen doch ganze acht Wochen. Allein vier Wochen Schiffsreise nachdem sie gepflückt, fermentiert, getrocknet und gewaschen wurde. Und dann kommt Herr Blank ins Spiel ;-).

Dass man aber nicht einfach nur immer denselben Geschmack in der Tasse hat, dafür sorgt auch der Ideenreichtum. Herr Blank experimentiert sehr gerne und so gibt es auch Whiskey-Kaffee, durch die Lagerung in einem alten Whiskey-Fass geht das intensive Aroma natürlich auch auf die Bohnen über. Wobei mein neuer Liebling ein Mandel-Kaffee ist: Mandelkerne sind während des Röstens bei den Kaffeebohnen und werden hinterher wieder herausgefiltert. Auch wenn man es kaum glauben kann, aber allein schon beim Öffnen eines Päckchens dieser Sorte strömt mir schon der verlockende Kaffee-Nuss-Marzipan-Geruch entgegen… sehr cool!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier die Adresse der Rösterei:

Blank Roast GmbH
Kaffeemanufaktur
Mußbacher Landstr. 21
67433 Neustadt an der Weinstraße

Vielen Dank an Herrn Blank von der Blank Roast GmbH in Neustadt an der Weinstraße an dieser Stelle für Ihre Zeit und die spannenden Informationen zu Ihrer Leidenschaft!

Nebenbei bemerkt: Ich will und werde auf evchenkocht keine Werbung machen. Aber wenn ich etwas wirklich gut/lecker/überzeugend finde, dann schreibe ich hier drüber. Und nehme aber auch kein Geld dafür.

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