Der beste Bratapfel aller Zeiten oder wie man Herrn Trettl dechiffriert

Bratapfel

Dieses Jahr hat es mich leider direkt vor Weihnachten nochmal völlig aus den Latschen gehauen und ich hatte eine Woche vor Weihnachten einen täglichen Durchschnittstaschentuchverbrauch (geiles Wort, ne?), dass die Firma Tempo sicher Applaus klatschen würde.

In der minimalen Hoffnung, dass die Prognose meines Arztes korrekt ist („Virusinfektion – kommt blitzschnell, ist heftig, aber dafür kurz.“), überlege ich mir also siechend auf der Couch, ob ich zu den Schwiegereltern ein Dessert an Weihnachten mitbringen könnte.

Etwas, das alle mögen und das dementsprechend auch kindergeeignet ist. Fancy Ideen hab ich ja immer genug, siehe hier, hier oder hier, aber manchmal kann es auch mal einfach einfach gut sein. Ohne irgendeine bahnbrechende, neue Idee. Aber dann müssen die Zutaten (erst recht) eine tolle Qualität haben und das Rezept muss auch absolut stimmen.

Dann wirds ein Erfolg. Also Augen aufhalten.

So fielen mir die Bratäpfel von Roland Trettl wieder ein. Die extrem delikat anmuteten, als er sie in der Weihnachtsausgabe des Köchewettstreites „Kitchen Impossible“ im Fernsehen an der Seite von Tim Raue, Christian Lohse und Tim Mälzer für deren Weihnachtsessen zubereitete. Schon während wir die Sendung angesehen haben, dachte ich, dass ich das Rezept gern hätte. Nun gehört Herr Trettl leider nicht zu meinen Bekannten, sonst hätte ich ihn mal gefragt, aber wie es der Zufall will, hatte sich Malte von MaltesKitchen schon vor einiger Zeit auch geoutet als „Kitchen Impossible“-Zuschauer und war so freundlich Herrn Trettls handschriftlich festgehaltenes Rezept zu teilen.

Besonders nett fand ich auch die Notiz von Roland Trettl, dass wenn das Rezept nicht gelänge, nicht das Rezept das Problem sei. Genau mein Humor :-).

Ich hab natürlich in die Hände geklatscht und mich gefreut. In Anbetracht der Tatsache, dass ich zu Grundschulzeiten für meine Schönschrift auch eher die Mitleidsnote Drei bekam, fand ich die Rezeptnotiz Herrn Trettls übrigens halb so wild. Daher vertraute ich auch völlig auf das Rezept und habe diese sch..geilen Bratäpfel exakt so am 1. Weihnachtstag zum Dessert aufgetischt. Mit selbstgemachten Vanilleeis. Weil mir auch noch danach war.

Und weil im Februar (vermutlich auch schon im Januar) keiner mehr Bratäpfel isst, verbreite ich nun auch hier die Kunde dieses superguten Bratapfelrezepts. Würde ich genauso wieder machen. Einfach richtig gut!

Fanden auch alle anderen an der Tafel, die mitaßen. Sogar die, die normalerweise keine Äpfel mögen. Schon gar nicht mit Schale. Gut, dass ich dachte, dass man mit Bratapfel und Eis nix falschmachen kann, wenn man nur die Rosinen weglässt.

Die im Übrigen auch nicht in diesem Rezept von Herrn Trettl vorkommen. Ich hoffe, es ist in Ordnung für ihn, dass ich hier die Urversion zeige. Hat nämlich schon was ;-). Aber am Ende ist das noch ein Kunstwerk…

Bratapfel

Vielen Dank also an Roland Trettl für die allerbesten Bratäpfel, die ich bisher gegessen habe, falls Sie das hier jemals lesen sollten. Und ja, ich war so dreist das Rezept für meine Leser und mich hier auszuformulieren. Ohne Anspruch auf Richtigkeit, jedoch hat es geschmeckt, also kann es an mir schonmal nicht liegen!

Bratapfel

Bratapfel etwas frei in die Region übersetzt nach Roland Trettl

Zutaten für 6 Personen als Dessert:

6 Wintercalville-Äpfel (bei mir: Pfälzer Boskop, alternativ)

Für den Ansatz:
40 g Butter
40 g getrocknete Feigen
40 g getrocknete Aprikosen
40 g Walnusskerne
20 g Pinienkerne
150 g Calville Bergapfelsaft (bei mir: Naturtrüber Apfelsaft aus der Pfalz)
etwas Zimtstange (bei mir: 1 Prise frisch gemahlener Zimt)
1/2 Vanillestange (habe ich weggelassen, hatte ich schon fürs Vanilleeis verballert)
evtl. etwas Rum (habe ich auch weggelassen)

Für die Füllung:
70 g Butter (zimmerwarm)
Vanille (wie gesagt – war nimmer im Haus)
35 g Honig (bei mir: Waldhonig – sehr empfehlenswert)
Orangenzeste (bei mir: Orangenzesten von einer halben, unbehandelten Orange)
30 g Marzipan (zimmerwarm)
1 Ei
20 g gemahlene Haselnüsse
30 g Dinkelbrösel (bei mir: Panko)

Für die Brösel:
Hier hat uns die Hälfte gereicht – wer mehr Brösel möchte, kann sich an den Rezepturheber halten 🙂
40 g Butter (bei mir: 20 g)
50 g Panko oder Dinkelbrösel (bei mir: 25 g Panko)
20 g weißer Sesam (bei mir: 10 g)

Zubereitung:

Zunächst alles für den Ansatz fertigstellen: Die Butter in einer (wenn vorhanden: ofenfesten) Pfanne bei nicht zu hoher Temperatur schmelzen und so lange erhitzen bis sie leicht braun wird. Währenddessen Feigen, Aprikosen, Walnüsse und Pinienkerne grob hacken und anschließend zur gebräunten Butter geben. Alles zusammen unter Rühren anbraten und mit dem Apfelsaft ablöschen. Mit Zimt würzen und den Apfelsaft noch etwas einreduzieren lassen. Den Ansatz in der Pfanne beiseite stellen. Alternativ den Ansatz in eine feuerfeste Form für den Ofen geben und beiseite stellen (zum Beispiel, wenn nicht alle Äpfel später in die Pfanne passen würden…).

Bratapfel

Nun die Füllung für die Äpfel vorbereiten: Die Butter mit dem Honig, den Orangenzesten und dem Marzipan cremig rühren. Das Ei, die Haselnüsse und die Brösel zugeben und daraus eine gleichmäßige Füllung anrühren.

Bratapfel

Den Ofen auf 170 Grad Umluft vorheizen.

Die Äpfel waschen mit einem Kernausstecher vom Kerngehäuse befreien und eventuell die Standfläche unten mit einem Messer „begradigen“, sodass sie stabil stehen.

Bratapfel
Die vorbereiteten Äpfel nun mit der Füllung befüllen. Ich habe das mit einem kleinen Löffelchen gemacht, alternativ funktioniert aber auch ein stabiler Gefrierbeutel, von dem man die Spitze abschneidet und so die klebrige Füllung direkt in die Äpfel füllen kann.

Bratapfel

Die Äpfel nun nebeneinander in die Pfanne auf den vorbereiteten Ansatz stellen und im Ofen für ca. 35 Minuten backen auf mittlerer Schiene.

Gegen Ende der Garzeit die Brösel für das Topping vorbereiten. Hierzu die Butter in einer Pfanne schmelzen und Panko und Sesam zufügen. Alles unter Rühren so lange braten, bis Panko und Sesam duften und das Ganze braun und knusprig wird.

Die fertigen Äpfel mit dem Ansatz auf vorgewärmte Teller geben und mit den Bröseln bestreut servieren.

Bratapfel

Dazu passt hervorragend geschlagene Sahne oder auch eine Kugel Vanilleeis.

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